Die richtigen Anführungszeichen sind die kleinen Details, an denen man ziemlich gut erkennt, Ob man nur mit Wird sozialisiert wurde. :) Schon historisch markierten die Schreiber Zitate mit kleinen Häkchen am Rand; daraus entwickelte sich das signum citationis, das Zitatzeichen. In der europäischen Drucktradition wurden daraus die typografischen Anführungszeichen der Antiqua, zunächst vor allem, um fremdsprachige Passagen oder wörtliche Rede zu kennzeichnen. Den Spitznamen „Gänsefüßchen“ bekamen sie, weil ihre Form an den Abdruck eines Gänsefußes im Lehm erinnert.
Im Bleisatz war das einfach: Es gab explizt Sorten für öffnendes und schließendes Anführungszeichen. Im Fotosatz blieben die Formen erhalten, aber die Mechanik verschwand hinter Matrizen und Belichtern; richtig gesetzte Anführungen waren immer Teil des professionellen Handwerks. Schreibmaschinen hatten durch mechanische Einschränkungen eine begrenzte Anzahl an Tasten, um die Geräte kompakt und handhabbar zu halten. Da öffnende und schließende Anführungszeichen ähnlich wirken, wurde ein einziges Zeichen – das gerade doppelte Strichlein (") – als Alleskönner verwendet: für Anführungszeichen, Zoll, Sekunden und Bogensekunden. Diese Lösung, beeinflusst von englischen Modellen mit oberen geraden Anführungen, schwappte nach Deutschland über und prägte die Gewohnheit. Bei der Entwicklung der Computertastatur wurde das Layout – inklusive Shift-2 für das Zollzeichen – direkt übernommen, weshalb viele Schriften dort keine typografisch korrekten Varianten liefern. Erst Unicode und smarte Programme haben das gelöst, aber die Schreibmaschinen-Erbschaft sitzt tief. Sauber arbeitet nur, wer für öffnende und schließende Zeichen echte typografische Glyphen einsetzt – per Sonderzeichenmenü, manche Software berücksichtigen automatische „smart quotes“ oder bewusst gesetzte Unicode-Zeichen. Was dann eher eine Nerd-Nische wäre.
„
einsetzende Anführung
⌥ + ^
Alt + 0132
“
endende
Anführung
⌥ + 2
Alt + 0147
Im deutschsprachigen Satz (außer der Schweiz) gelten die deutschen Anführungszeichen „…“ als Standard; die Eselsbrücke dafür lautet: „99 unten, 66 oben“. Das öffnende Zeichen sitzt auf der Grundlinie und ähnelt einer tiefgestellten 99, das schließende steht oben wie eine hochgestellte 66.
Für Zitate im Zitat werden die einfachen Varianten ‚…‘ verwendet, formal ebenfalls nach dem 9/6‑Prinzip. Der Witz daran: Die berühmten 99 und 66 sind kein typografischer Code, sondern eine Kneipen-Merkregel, die sich in der Ausbildung erstaunlich hartnäckig hält – wer sie einmal verinnerlicht hat, erkennt falsche, „gerade“ Anführungszeichen fast so schnell wie einen doppelten Leerschritt.
Anführungszeichen: „…“
die Eselsbrücke dafür lautet:
„99 unten, 66 oben“.
Parallel dazu existiert die französische Tradition mit den sogenannten Guillemets: «…». In Frankreich stehen die Spitzen nach außen, und vor und nach den Guillemets wird ein geschützter kleiner Abstand gesetzt: « Bonjour cher visiteur ». In der Schweiz hat man diese Form übernommen, aber typografisch gestrafft: «Guillemets» ohne zusätzliche Leerzeichen, mit reduziertem Weißraum in der Schriftgestaltung. Für Binnensetzungen nutzt man einfache Guillemets ‹…›.
Technisch problematisch bleibt, dass das Zollzeichen gern als fauler Ersatz für typografische Anführungszeichen missbraucht wird, weil es bequem auf der Tastatur liegt. Saubere Schriftsatzumgebungen lösen das über automatische Ersetzung: aus "Text" werden je nach Spracheinstellung „Text“, »Text« oder «Text». Wer seine Texte ernst nimmt, muss sich heute weniger die Bleisatzschubladen merken als die Eselsbrücken – 99 unten, 66 oben.