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digitales Rauschen

Hej Bleiwüste.

Mit neuen Ideen in das Internet schreiben – das habe ich jetzt wohl vor. Obwohl ich kein großer Formulierer bin und das „Bloggen“ eher eine Herausforderung als ein Können ist und es etwas überheblich ist, Texte wie Sven Regener oder Stuckrad-Barre schreiben zu wollen. Nun denn. Also entstehen jetzt doch ein paar Zeilen. Das Internet als kleine Spielwiese fasziniert mich schon lange. Und ich rechtfertige meine Experimente und mein Tun damit, dass ich mit dem Hintergedanken von Typografie und Grafikdesign so auch Wissenswertes und Tipps irgendwie so aufbereiten kann, dass es sich vielleicht auch jemand anschaut.

Nun also eine weitere Interaktion im Jahre 2026 – diesmal auf dem CMS Kirby. Und nun mit der Unterstützung von LLMs und dem Editor Cursor gibt dies neuen Schub, auch mal etwas komplexere Ideen auszuprobieren. Ein bisschen inspiriert durch wirres.net, der sich auch mit Kirby und diversen eigenen Optimierungen ein kleines Sammelbecken für Fotos, Links und Gedanken aus dem Internet hält – viel erfolgreicher gewissermaßen – habe ich begonnen, meine Kirby-Installation auch anzufassen. Also habe ich mir mit dem Hintergrund der digitalen Unabhängigkeit mein eigenes kleines Instagram gebaut. Per JavaScript kann ich jetzt direkt Fotos in diesen Feed schreiben und sie gleichzeitig per sogenanntem Micropublishing bei Mastodon und Bluesky für mehr Reichweite teilen. Zusätzlich habe ich immer schon mal versucht, die Websites, die ich im Netz finde und teilenswert finde, zu sammeln. Dies ist nun auch der optimistische Versuch, diese per Tags zu kuratieren und vielleicht für manch andere findbar zu machen. Als kleine Fundgrube also, so wie meine kleine Website immer schon mal fungiert hat. Die Versionen kann man per Wayback Machine hier und hier und hier als kleine Retrospektive entdecken. :) Eigentlich ganz schön, dass man verfolgen kann, wie dersven die kleine Internetwelt verfolgt und mit ihr gewachsen ist.

Und dann sind da noch zahlreiche typografische Begriffe oder Erkenntnisse des Grafikdesigns und Drumherum, die mich faszinieren: wie der Binärcode oder die Geschichte des Dogcow, die hier nun einen Platz finden sollen. Eben als Notiz, Bookmark, Photowall oder Artikelversuch innerhalb eines Feeds bzw. einer Timeline, wie ich sie genannt habe. So ein Sammelsurium hat ja auch recht viele Facetten, die mein statistisches Interesse in einem Beipackzettel je Post sammelt. Das hat wirres.net so anschaulich umgesetzt, dass ich mir da ein Beispiel genommen habe und nun Zeichenanzahl, wachsende Reichweite sowie die Verteilung über Jahre und das Alter der Posts sammle und auswerte.

Mal schauen, wie lange es hält :)

Dogcow

Meine Faszination für die Dogcow: Sie ist ein Symbol der Grafikdesignerin Susan Kare, das für die Ära des frühen Interface-Designs und die wegweisende Ästhetik ihrer Schriften steht.

Die technischen Grenzen der frühen 80er prägen bis heute den 8‑Bit‑Stil, der im Grafikdesign nach wie vor fasziniert. Das visuelle Interface des ersten Macintosh entstand in einem strengen 1‑Bit‑Raster: Schwarz oder Weiß, sonst nichts.

Susan Kare, Grafikdesignerin bei Apple, hat maßgeblich an dem GUI des ersten Betriebssystems mitgewirkt. Ihre Icons, Schriften und Symbole prägen den Mac bis heute.

In den ersten Mac-Schriften steckt Nerdtum, so wie auch in den Entwicklerinnen und Entwicklern, die ihre Unterschrift im Gehäuse hinterlassen durften. Die Schriften sollten ursprünglich nach Ideen des Grafikteams nach Haltestellen der Bahnlinie von Philadelphia nach Paoli benannt werden.Orte wie Overbrook, Merion oder Ardmore waren ein persönlicher Bezug zu Susan Kares Heimat. Doch als Steve Jobs die Namen im Menü sah, stoppte er die Idee. Nach seinem Kalligrafie-Kurs am Reed College hatte er eine tiefe Liebe zur Typografie entwickelt. Jobs wollte keine Vororte. Er wollte Weltstädte. So wurde Geneva zum digitalen Cousin der Helvetica, während New York die Eleganz von Times New Roman aufgriff. Die Städtenamen zeigten in gewisser Weise Metainformation, da sie die Vorbilder des Designs prägten.

Die Schriften im 1-Bit-Bitmap-Raster führten das proportionale Spacing ein. Bis dahin waren auf den meisten Systemen Buchstaben monospaced, also gleich breit, was auf dem Bildschirm einfach schlecht aussah. Eine technische Limitation früherer Pixel-Bitmap-Fonts. Man gab jedem Zeichen seine eigene Breite und revolutionierte so das Raster. Der Macintosh war damit einer der ersten Computer mit proportionalen Schriften, die proportional gestaltet waren, obwohl sie noch als Bitmaps existierten.

schau mal

Die Geschichte des „Dogcow“ ist vielleicht ein außergewöhnliches Beispiel für das Design Susan Kares, das durch einen Zufall zur Legende wurde. Entstanden 1983 als Glyphe für das kleine „z“ in der Schrift Cairo, war eigentlich nur ein Zusatz ohne Auftrag. Und ohne Name. Weil es eher aussah wie ein Hund und Flecken hat wie eine Kuh, war der Arbeitstitel wohl Dogcow. Apple war damals in einer markenrechtlichen Auseinandersetzung mit einer Softwarefirma namens Clarus verwickelt. Mark „The Red“ Harlan entschied sich 1989 in einem Akt von „Corporate Humor“, das undefinierbare Pixel-Wesen genau nach dieser Firma zu benennen.
Als das Apple-Entwicklerteam für den Postscript-Druckertreiber nach einem asymmetrisches Symbol für die Transformationen (Spiegelung, Rotation) im Page-Setup-Dialog suchten, war Clarus mit ihrem Fleckenmuster und der klaren Ausrichtung (Kopf rechts, Schwanz links) die perfekte Lösung. Ihren offiziellen Status erhielt Clarus the Dogcow durch die legendäre Technote #31 des Apple Developer Technical Support. Harlan fasste darin alles zusammen, was man über die „neue Spezies“ wissen musste. Die Technote legte sogar ihren Laut fest: „Moof!“ eine Mischung aus „Moo“ und „Woof“. Sie warnt die Entwickler davor, Clarus jemals ohne ihre Flecken darzustellen, da sie sonst ihre Identität verlöre.

Nach der Legende saßen Steve Wozniak und Steve Jobs nach ihrem Auftritt beim Homebrew Computer Club, wo sie den Apple I vorgestellt hatten, im Auto. Sie suchten noch einen Firmennamen für den Verkauf. Jobs wollte, dass „Apple“ im Telefonbuch vor IBM kommt.So fiel die die Wahl wohl auf Apple.

Im weiteren erfolgreichen Verlauf von Apple kommt ein spannender Bezug zu den Beatles. Apple Corps, das Musiklabel der Band aus den 1960er Jahren, und Apple Computer teilten sich seit den 1970ern den gleichen Apfel-Namen. Das führte über Jahrzehnte zu heftigen Rechtsstreitigkeiten. Schon 1978 gab's die erste Klage, 1981 zahlte Apple 80.000 Dollar und versprach, vom Musikbusiness die Finger zu lassen. Apple Computer durfte den Namen behalten, solange es keine Musikprodukte herstellte; ein Commitment 1981 verbot explizit „musikalische“ Aktivitäten. Die Auseinandersetzung eskalierte immer wieder: 1989 wegen des MIDI-fähigen Macs, 2003 erneut um iTunes und 2006 vor dem High Court, wo Apple Computer letztlich gewann und Apple Inc. wurde. Trotz des Vergleichs dauerte es bis November 2010, bis die Beatles-Alben endlich in die iTunes-Bibliothek kamen. Während dieses Chaos bastelte Sound-Designer Jim Reekes Ende der 80er den ikonischen System-7-Alert-Ton: Ursprünglich „Xylophone“ oder „Chime“ genannt, musste dieser umbenannt werden, weil zu musikalisch. Reekes nannte es in „Sosumi“ um. Ein Wortspiel für „so sue me!“ (verklag mich doch!) udn trickste die Anwälte aus in dem er es als „japanisches Wort“ titulierte. Die Datei lag aber weiter hin als „Sosumi.aiff” im System.

Heute piepst es immer noch in macOS! Ein bleibender Insider-Witz auf Liverpools Kosten. Und auch „Dogcow“ ist als Hommage nativ in den Druckdialog der aktuellen Betriebssysteme integriert. Es ist wohl eine Anerkennung dafür, dass gutes Design oft dort entsteht, wo eine spielerische Idee eine technische Lücke füllt.

Here's to the crazy ones, the misfits, the rebels, the troublemakers, the round pegs in the square holes ... the ones who see things differently -- they're not fond of rules, and they have no respect for the status quo.

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