/ Die versteckten Stars der Schriftgestaltung

fi
Ligatur fi
(Standard)
U+FB01
ffi
Ligatur ffi
(Standard)
U+FB03
st
Bedingte
Ligatur st
U+FB06
fk
Bedingte
Ligatur fk

Ligaturen verbinden zwei oder mehr Buchstaben zu einer einzigen Form. Meistens merkt man sie gar nicht, und genau das ist der Sinn der Sache: Sie räumen Stellen auf, an denen sich Buchstaben sonst ins Gehege kommen. Oft liest man, Ligaturen machten Texte besser lesbar. Belegen lässt sich das kaum. Es geht vor allem darum, wie ein Text aussieht.

Was sind Ligaturen?

Das Wort kommt vom lateinischen ligare, „binden“. Verbundene Buchstaben gibt es, seit Menschen schreiben: Wer mit der Hand schreibt, zieht häufige Buchstabenfolgen zusammen, weil es schneller geht und Platz spart. Die älteste bekannte et-Ligatur, also der Urahn unseres &, hat jemand an eine Wand in Pompeji gekritzelt, bevor die Stadt im Jahr 79 unter der Asche des Vesuvs verschwand.

Im Bleisatz wurde aus der Gewohnheit eine technische Notwendigkeit. Jeder Buchstabe saß auf einem eigenen Metallkegel, und das f ragte mit seinem Bogen oben rechts über diesen Kegel hinaus. Vor einem o kein Problem, da ist oben Luft. Vor einem i, einem l oder einem zweiten f stößt der Überhang aber an, und das dünne Metall bricht ab. Also gossen die Schriftgießereien ff, fi, fl, ffi und ffl gleich als eine gemeinsame Letter.

fi, fl und ffi

Die bekanntesten Ligaturen sind fi und fl. Beim fi stört übrigens nicht der Querstrich des f, wie man oft hört, sondern der Bogen oben, der dem i-Punkt im Weg ist. In der Ligatur verschmelzen Bogen und Punkt, oder der Punkt fällt einfach weg. Beim fl läuft der Bogen direkt in die Oberlänge des l über. Diese Standard-Ligaturen stecken heute in fast jeder ordentlichen Schrift, und Satzprogramme wie Browser setzen sie ganz von allein.

Im Deutschen gibt es dabei eine Regel, die die meisten Programme ignorieren: Ligaturen gehören nur in einen Wortstamm, nicht in die Fuge zusammengesetzter Wörter. Im „Anflug“ ist die fl-Ligatur richtig, in der „Auflage“ nicht, denn die besteht aus „Auf“ und „Lage“. Genauso bleiben „Schaffell“ und „Kaufleute“ ohne. Die fk-Ligatur, die manche Schriften mitbringen, hat es bei uns deshalb schwer: fk steht im Deutschen fast immer genau in so einer Fuge, beim Aufkleber oder der Kaufkraft.

ß
Eszett –
einst ſ + z
U+00DF

Das Eszett (ß)

Das ß ist die Ligatur, die es zum eigenen Buchstaben geschafft hat. Entstanden ist es aus dem langen s (ſ) und einem z, daher der Name Es-Zett. Ganz einig ist sich die Forschung da allerdings nicht, manche sehen darin eher ein ſ mit einem runden s. Zu Hause war das ß lange in der gebrochenen Schrift. Erst 1903 haben sich die Buchdrucker in Deutschland, Österreich und der Schweiz darauf geeinigt, es auch in der Antiqua zu setzen.

Nur groß gab es das ß lange nicht. Seit 2008 steht das große ẞ im Unicode-Standard (U+1E9E), seit 2017 ist es auch offiziell erlaubt, neben SS. Praktisch zum Beispiel für Namen im Pass.

&
Et-Zeichen
(Ampersand)
U+0026

Das Et-Zeichen (&): aus „et“ wird ein Symbol

Auch das & ist eine Ligatur, aus e und t, dem lateinischen „et“ für „und“. Schreiber und später Setzer mochten es, weil es Platz sparte. In vielen Schriften erkennt man e und t kaum noch, in kursiven Schnitten dagegen oft ganz deutlich. Der englische Name Ampersand ist eine Verschleifung von „and per se and“: So haben Schulkinder das Zeichen aufgesagt, das früher am Ende des Alphabets stand. Bei uns heißt es auch Kaufmanns-Und.

Schmuckligaturen

Neben den Standard-Ligaturen gibt es die Schmuck- oder bedingten Ligaturen, die vor allem schön aussehen sollen. Klassiker sind st und ct mit ihrem geschwungenen Bogen zwischen den Buchstaben. Sie stammen aus dem Buchdruck des 16. bis 18. Jahrhunderts und tauchen heute in Schriften auf, die sich an historischen Vorbildern orientieren. Die Vollkorn in den Beispielen oben hat st, ct und fk als solche Extras an Bord.

Ligaturen in der digitalen Typografie

In OpenType-Schriften stecken Ligaturen als Regeln in der Schriftdatei: „liga“ für die Standard-Ligaturen, die automatisch an sind, „dlig“ für die bedingten, die man selbst einschalten muss, und „hlig“ für historische. Im Web regelt das die CSS-Eigenschaft font-variant-ligatures. Standard-Ligaturen sind in allen aktuellen Browsern an, die bedingten kommen mit discretionary-ligatures dazu. Dass das je nach Browser mal klappt und mal nicht, ist zum Glück Geschichte.

Unicode hat für ff, fi, fl, ffi, ffl, ſt und st sogar eigene Zeichen (U+FB00 bis U+FB06). Die gibt es aber nur, damit alte Texte nicht kaputtgehen. Gedacht ist, dass man ganz normal f und i tippt und die Schrift daraus die Ligatur macht. Für fk gibt es überhaupt kein eigenes Zeichen. Und noch ein Haken: Google Fonts wirft beim Ausliefern die bedingten Ligaturen raus. Wer st und fk im Web zeigen will, muss die Schrift selbst hosten.

/Stats