/ WorldWideWeb
Das Internet begann als Experiment unter Professoren, die probierten, ihre Rechner irgendwie miteinander zu verbinden. 1969 startete das Computer-Pionierprojekt des US-Verteidigungsministeriums (ARPANET). Das erste echte Netzwerk über Häuserwände hinaus. An der University of California in Los Angeles loggte man sich am 29. Oktober in einen Rechner am Stanford Research Institute ein, rund 500 Kilometer entfernt. Die erste Fernverbindung, über eine gemietete Telefonleitung. Bezahlt hat das US-Militär, aber die Köpfe dahinter waren Forscher*innen mit Fernschreibern und wildem Enthusiasmus.
1971 verschickte Ray Tomlinson die erste E-Mail. Um den Namen vom Rechner zu trennen, wählte er das @-Zeichen. 1983 kam dann der große Schritt. Über das TCP/IP-Protokoll tauschten Universitäten Forschungsdaten aus: wissenschaftliche Papers, Rechenprogramme, große Dateien, die kein Postbote mehr schleppen konnte. TCP, das Transmission Control Protocol, zerlegt alles in Pakete und sorgt dafür, dass am Ende alles vollständig ankommt. Geht unterwegs ein Paket verloren, wird es neu geschickt. Das Internet Protocol (IP) gibt jedem Paket eine Adresse und leitet es ans Ziel. Alles, was vorher verwendet wurde, fiel dem neuen Standard zum Opfer. Damit hatte man Kompatibilität geschaffen. Das war der Moment, in dem Universitäten und Firmen länderübergreifend zusammenwuchsen.
Dann kam Tim Berners-Lee um die Ecke. In Genf, am CERN, baute er 1989/90 das World Wide Web. Es soll auf einem dieser kubusförmigen NeXT-Computer gewesen sein. Die Firma NeXT hatte Steve Jobs 1985 gegründet, nachdem er bei Apple den Machtkampf mit John Sculley verloren hatte, nur ein Jahr nachdem sich der Macintosh mit „Hello, I’m Macintosh“ vorgestellt hatte. Hartmut Esslinger designte das markante Gehäuse, ein fast perfekter Kubus mit einem Fuß, also rund 30,5 cm Kantenlänge, Jobs’ Blick fürs Detail. Der grafische Durchbruch für die Massen kam 1993 mit Mosaic.
1997 wurde die schon lange entwickelte Technologie WLAN zum Standard. Zuvor verband man sich mit dem Modem oder im Haus per LAN‑Kabel. Koaxialkabel verbanden mich früher auch mit Modems und den Computern von Freunden und Brüdern.
Mit einem 386er erkundete ich die weltweite Welt. Bei LAN-Partys zockten wir, sobald der Endwiderstand am langen Kabelende von Rechner zu Rechner angedreht war. Unser Modem wählte sich in sogenannte Mailboxen ein. Textbasierte ASCII-Oberflächen, in denen man Newsforen abonnieren konnte. Man lud sich sozusagen einen aktuellen Stand auf den eigenen Feedreader herunter. Ein Netzwerk machte die Runde: das MausNet. Meine erste E-Mail-Adresse erlaubte mir, erste Nachrichten wie Briefe über das Internet zu schicken. Traceroute verriet uns, dass Daten nicht immer den direkten Weg nahmen.
Ein großes Highlight – und mir bis heute im Kopf – war ein Fußballmanager, dessen Namen ich leider nicht mehr auf dem Schirm habe. Ich glaube, es waren Ameisen, die man in einer Mindestanzahl als Spieler aufstellen musste. Diese Konfiguration für den anstehenden Spieltag lud man dann in die Mailbox. Die verbundenen Spieler einer Liga zogen sich diese Daten herunter, und in ihrem eigenen Client wurden dann offline die Partien ausgespielt. Transfermarkt, Erfahrungen und Scoredaten flossen in ein recht komplexes System ein.
Meine ersten Webseiten entstanden auf meinem ersten Rechner von Vobis oder Escom. Webseiten bestanden vor 1994 fast nur aus Text und grauen Hintergründen. Mit dem Netscape Navigator und SELFHTML begann ich, aus Tabellen grafisch gestaltete Websites zu bauen. Dazu kamen große Bildcomposings in Slices geschnitten und mit <table>, <tr>, <td> und Image Maps zu Navigationsstrukturen kombiniert. Mit PageMill gab es auch erste Software, die es ermöglichte (WYSIWYG: What you see is what you get), fast wie mit Layoutsoftware Websites zu erstellen.
Für mich war vor allem der Netscape Navigator das Fenster ins Netz. Bis Microsofts Internet Explorer Netscape im ersten „Browserkrieg“ an die Wand drückte und er sozusagen zum Standard wurde. Aus den Trümmern von Netscape entstand dann das Mozilla‑Projekt, das einen schlankeren, schnelleren Browser bauen wollte. Den Phoenix, Symbol für den Neuanfang aus der Asche. Firebird folgte 2003 wegen Klagen der BIOS-Firma Phoenix Technologies. Danach gab es erneut namensrechtliche Proteste vom Open-Source-Datenbankprojekt Firebird. Erst 2004 wurde daraus der Name Firefox. Seit den Anfängen hält sich die Erzählung, dass der Name seinen Ursprung im Kosenamen für den Roten Panda hat, chinesisch 火狐, huǒhú, wörtlich „Feuerfuchs“. Es also erstmal kein Fuchs ist. Gestützt durch die Namensherkunft und die runden Ohren. Offiziell ist es aber nun als „Burning Fox“ auch im Logo angeglichen worden.
Heute ist WLAN überall. Social Media ist eine Doomscroll-Falle, und ganze Generationen kennen kein Modemkreischen mehr. Meine ersten Schritte im Web waren ein Abenteuer. Nostalgie ist kein Rückschritt, sondern Erinnerung ans Basteln. :)